Kundgebung auf dem Marktplatz in Stuttgart
Nach 14 Jahren wird hierzulande wieder im öffentlichen Dienst gestreikt. Müllabfuhr, Krankenhäuser, Erzieherinnen und andere Mitarbeiter legen in allen Großstädten Baden-Württembergs die Arbeit nieder. Ziel ist u.a. die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche zu verhindern.
Ausserdem soll damit gegen Kürzung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld demonstriert werden.
Die Müllabfuhr streikt unbefristet und uneingeschränkt, so dass bis zur Lösung des festgefahrenen Konflikts viele Mülltonnen in Privathaushalten nicht geleert, Abfälle von Wochenmärkten nicht entsorgt und U-Bahn-Stationen nicht gereinigt werden. In Stuttgart wird nur Sondermüll von Krankenhäusern und Pflegeheimen abgeholt.
In Freiburg waren 150 Müllmänner und Straßenreiniger im Ausstand. Der Winterdienst wurde dort durch ein Privatunternehmen sichergestellt. In Ulm legten die 140 Beschäftigten der Entsorgungsbetriebe und des Recyclinghofs Grimmelfingen auf unbestimmte Zeit die Arbeit nieder. In Heidenheim und Ellwangen (Ostalbkreis) wurden das Baubetriebsamt sowie Bauhof und Gebäudemanagement bestreikt.
Da der öffentliche Nahverkehr eigene Tarifregelungen hat, ist dieser nicht vom Streik betroffen. Der Kommunale Arbeitgeberverbandes Baden-Württemberg (KAV) bezeichnete den Arbeitskampf als unverhältnismäßig und appellierte an die Gewerkschaft an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Stuttgarts Oberbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) sagte: «ver.di streikt gegen die Bürger, die sich nicht wehren können - das ist keine Waffengleichheit».
Finanzminister Gerhard Stratthaus fordert flexiblere Lösungen für die Arbeitszeitmodelle. Er plädierte für eine Unterscheidung nach Tätigkeit und Alter: «Warum ein junger Mensch nicht eine Stunde oder eineinhalb Stunden in der Woche länger arbeiten soll, das kann mir niemand klar machen.»
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Öffentlicher Dienst streikt
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